Zum Abschluss gehörte die Bühne ganz alleine ihm. Noch einmal die „Humba“ anstimmen, noch einmal die La-Ola-Welle initiieren, noch einmal voller Dankbarkeit in Richtung Fans applaudieren und winken. Und dann dreht der Mann des Abends nach mehreren Ehrenrunden schweren Herzens ab, um im leichten Nebel, der sich über das Neuwieder Eis gelegt hat, und unter „Kujala“-Sprechchören in der Kabine zu verschwinden. Die Nummer zehn sagt „Danke“ für einen unvergesslichen Abend – und „Tschüss“. Eine Nummer, die im Neuwieder Eishockey nie wieder ein Spieler auf dem Trikot tragen wird. „Ich weiß nicht, ob ich es verdient habe, dass man diese Nummer in Erinnerung an mich hier nicht mehr vergibt“, sagt er später im Vip-Raum des Icehouses. Janne Kujala wird an diesem Abend in der Deichstadt endgültig in den Legendenstatus der schnellsten Mannschaftssport der Welt gehoben. Sein Jersey hängt nun an der Hallenwand in Erinnerung an einen großen Spieler, der nach 197 Einsätzen für den SC Mittelrhein und den EHC Neuwied einen denkwürdigen Abschied bereitet bekommt. „Es bleibt mein ganzes Leben lang ein besonderer Abend für mich, den ich nie vergessen werde“, versichert der 35-Jährige.
Sie waren alle gekommen, um einen großen Sportsmann und tollen Menschen vom aktiven Sport zu verabschieden: Neuwieder Eishockey-Helden wie Mario Naster, Jedrzej Kasperczyk oder Ladislav Strompf, seine „Suomi-Gang“ mit Janne Ruohola, Sami Leinonen, Miikka Jäske und Antti-Jussi Miettinen sowie unzählige Fans, die beim Abschiedsspiel nicht nur zum ersten Mal nach der Sommerpause ihren EHC, sondern auch die Ikonen von früher auf dem Neuwieder Eis sehen wollten. Und die haben das Eishockeyspielen auch nach ihrer aktiven Laufbahn, die sie vor mehr oder weniger kurzer Zeit beendeten, nicht verlernt. „Sie brauchten eine zehnminütige Warm-up-Phase, aber dann erinnerte vieles an früher. Eishockey ist wie Fahrradfahren – wenn du das einmal kannst, bleibt das für immer“, sagte Daniel Walther, der die Allstars als Trainer betreute. „Ich habe in der Kabine bisschen die Reihen aufgestellt, der Rest war ein Selbstläufer, weil alle nach wie vor Eishockey spielen können. Diese Mannschaft betreuen zu dürfen, war eine Ehre für mich. Das hatte etwas von einem Legenden-Team, das du dir an der Play Station zusammenstellst.“
Die Vorbereitungen, die der Vorstand des EHC „Die Bären“ 2016 und Manager Carsten Billigmann getroffen hatten, zahlten sich aus. „Ich glaube es war ein runder, gelungener Abend, den niemand so schnell vergessen wird“, war sich Billigmann sicher. So sahen es auch die Spieler selbst. „Dieser Tag hat mich sprachlos gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass so viele Fans kommen und bin mehr als glücklich, das Gefühl Bärenhöhle noch einmal erlebt haben zu dürfen“, sagte Kujala.
„Erfahrung schlägt heute Jugend“, hatten sich die Allstars vor dem Spiel in der Kabine geschworen. Genauso kam es. Mit 5:10 (1:2, 2:3, 2:5) unterlagen die Regionalliga-Bären dem Kujala-Team. Aber so bierernst sahen die Beteiligten dieses Ergebnis natürlich nicht. „Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt, dass sie Spaß haben und die Allstars knapp gewinnen lassen sollen“, berichtete Billigmann, der für Jens Hergt als Trainer einsprang, weil dieser auf der Gegenseite die Verteidigung zusammenhielt, augenzwinkernd. Ein Abschiedsspiel hat als einen Programmpunkt natürlich auch Tore der Hauptprotagonisten: Kujala traf zweimal und bereitete einen Treffer vor, auch Marc Blumenhofen trug sich in die Torschützenliste ein. Der Kölner wird die Schlittschuhe genauso wie Andreas Halfmann an den Nagel hängen. Die abgelaufene Regionalligasaison war ihre letzte, auch sie verabschiedeten sich von ihren treuen Fans. „Blumi und Halfi haben über Jahre hinweg Besonderes für den EHC geleistet, und wir sind ihnen extrem dankbar dafür, dass sie uns in der vergangenen Saison noch einmal geholfen haben, als wir innerhalb kurzer Zeit eine Mannschaft aufbauen mussten. Sie werden immer Bestandteil der Bärenfamilie bleiben“, bedankte sich Manager Billigmann. „Ich finde es toll, dass der Verein es mir ermöglicht hat, mich so von den Zuschauern verabschieden zu können. Man hat heute noch einmal gemerkt, dass Eishockey in Neuwied etwas ganz Besonderes ist“, schwärmte Blumenhofen.
Das Trikot von Janne Kujala bleibt nicht der einzige Zuwachs in der Ahnengalerie: Auch das Dress von Stephan Petry mit der Nummer 13 hängt nun eingerahmt in der Halle. Billigmann: „Stephan, der immer nur in Neuwied gespielt hat, hat das schon lange verdient. Sein Trikot gehört hier an die Wand – das war überfällig.“ Auch er brachte den Puck im EHC-Tor unter und bestätigte das, was Daniel Walther sagte: „Vieles erinnerte an die Zeit von vor einigen Jahren.“ Einmal griff der während des Spiels größtenteils beschäftigungslose Allstar-Trainer dann aber doch ein, als er 58 Sekunden vor der Schlusssirene sein Team zur Auszeit um sich scharte. Man hatte sich in der zweiten Drittelpause über etwas Besonderes für Janne Gedanken gemacht – die Bierdusche, die er inmitten seiner Kameraden empfing, war das Ergebnis und nahm das später versteigerte Trikot als Dufterinnerung mit. Als Erinnerung an den letzten aktiven Eishockey-Abend des Janne Kujala.

Neuwied: Köllejan (ab 30. Schaffrath) – Hellmann, Schütz, Neubert, D. Schlicht, Wichterich, Morys – Fröhlich, Sting, S. Asbach, Dieser, Jamieson, Müller, Brabec, B. Asbach, Herbel, S. Schlicht, Neumann, Hamann, Schug.
Allstars: Gronau (21. – 51. Neurath) – Leinonen, Strompf, Havlik, Petry, Hergt, Kopitz, Halfmann, Kasperczyk, Strauch, Jäske, Miettinen, Blumenhofen, Fritzmeier, Naster, Ruohola, Kujala, Franz, Engel.

Quelle: http://diebaeren2016.de

Erinnerungsfoto an einen großen Eishockey-Abend: Janne Kujala (vorne, Vierter von links) inmitten der Allstars und Neuwieder Spieler.

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