
EHC Neuwied
Bären behalten im Skandalspiel die Oberhand
Bären gewinnen 5:3 gegen Herne und verlieren drei
Spieler durch große Strafen
Neuwied.
Drei Punkte erkämpften sich die Bären am Wochenende gegen
die Topfavoriten in der Aufstiegsrunde zur Oberliga. Einem 2:9 in Essen folgte ein 5:3 (2:1, 2:1. 1:1)-Erfolg gegen den
Herner EV in einem Spiel, von dem die 800 Zuschauer noch
Jahre sprechen werden. Skandalträchtige 240 Strafminuten
verhängte Schiedsrichter Björn Frenzel -möglicherweise eine
Rekordzahl, seitdem in Neuwied Eishockey gespielt wird.
Wie sehr die knapp dreistündige "Eishockey-Schlacht" (Mit
diesen Worten leitete EHC-Vorstand Christian Klein die
Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Herne ein) an den
Nerven der Gäste zerrte. zeigte deren Abstinenz bei der
Pressekonferenz. Sowohl Trainer Krystian Sikorski als auch
der sportliche Leiter Ralf Cassebaum blieben dem Neuwieder
VIP-Raum fern. Cassebaum hatte sich bereits wahrend des
Spiels bei EHC-Pressesprecher Tom Neumann unbeliebt gemacht, weil er sich während des Spiels mit den Kameraleuten aus der Agentur von Neumann angelegt haben soll.
Angelegt hatten sich auch die Akteure beider Mannschaften
-vor allem im mittleren Abschnitt. Dort hagelte es in
wenigen Minuten sechs Ausschlüsse, auf beiden Seiten gleich
verteilt. Bei Neuwied erwischte es Slawomir Kiedewycz und
Kai Kühlem mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe sowie
Stephan Petry mit einer Matchstrafe. Bei den Gästen gab es
ebenfalls zwei Spieldauer-Disziplinarstrafen und eine
Matchstrafe gegen Kapitän Philipp Louven. Auslöser dieser
Eskapaden war eine Massenschlägerei unmittelbar nach dem
Neuwieder Tor zum 4:1 in der 32. Minute.
Sportlich boten die Bären bis zu diesem Zeitpunkt die beste
Saisonleistung. "Wir wollten viel arbeiten und vor allem
ohne die Scheibe und Herne die Räume eng machen", erklärte
Neuwieds Trainer Bernd Arnold die Marschroute. Das klappte
sehr gut, auch wenn die Bären mit dem frühen 0:1 nach Hernes
erstem Torschuss einen Tiefschlag verdauen mussten. "Das
kann zur Katastrophe führen. weil eine Mannschaft durch so
etwas zusammenbrechen kann." Nicht aber die Bären. Die
Gastgeber zwangen dem Favoriten ihr kampfbetontes Spiel auf,
sodass die Westdeutschen ihre spielerische Überlegenheit
nicht ausspielen konnten. Noch vor der Pause drehten Philipp
Büermann und Jens Hergt das Spiel.
Zu Beginn des mittleren Abschnitts folgten mehrere
Überzahlsituationen für die Neuwieder, die wiederum Büermann
und Petry zum 4:1 nutzen. 31:05 Minuten waren gespielt und
durch die Massenschlägerei summierte sich die
Strafzeitenbilanz bei knapp über der Hälfte der Spielzeit
auf 182 Minuten. Fortan wurde es friedlicher, auch wenn es
weiterhin etliche merkwürdige Strafzeiten auf beiden Seiten
hagelte. Spielfluss wollte nicht mehr aufkommen, was den
Bären entgegenkamen. Das zwischenzeitliche Zittern der
Deichstädter nach dem 4:2-Anschlusstreffer beseitige
Büermann mit seinem sechsten Tor im dritten Auftritt für den
EHC Neuwied.
Überschattet wurde das Spiel in der Endphase von einer
schweren Verletzung nach einem Pucktreffer von Dominik
Ballnus. Er wurde in eine Koblenzer Augenklinik
eingeliefert. Der gegen Spielende an der Bande tanzende
EHC-Trainer Arnold sorgte im VIP-Raum für tosenden Applaus,
als er die Einstellung seiner Spieler lobte: ich bin stolz,
dass ich diese Mannschaft trainieren darf."
Beim 2:9 (0:1. 1:5. 1:3) in Essen wurde für den
stimmungsvollen Neuwieder Anhang, der gemeinsam mit den
Moskitos-Fans feierte, deutlich, wie groß das Gefälle
zwischen einem Regionalliga-Spitzenteam und einer Mannschaft
aus dem unteren Mittelfeld der Oberliga ist. Es war noch
nicht einmal die Deutlichkeit des Ergebnisses, sondern das
Zweikampfverhalten in den Eins-gegen-Eins-Situationen,
welches die Oualitätsunterschiede aufzeigte. Dabei hielten
die Gäste 24 Minuten ordentlich mit, lagen nur 0:1 im
Hintertreffen. Dann aber traf der haushohe Favorit im
Minutentakt, sodass die Begegnung nach dem zweiten Drittel
bereits entschieden war. Für die Bären trafen Büermann zum 1:6 sowie Petry zum zwischenzeitlichen 2:6. "Wir müssen aus
dem Spiel unsere Lehren ziehen". sagte Trainer Arnold. "Wir
müssen aber auch nicht in Essen gewinnen. um unser Ziel zu
verwirklichen. unter die ersten Vier zu kommen."
Am Rande der Bande:
Der Herforder EV hat Protest gegen die 3:4-Niederlage nach
Penaltyschießen in Neuwied vor Wochenfrist eingelegt. Grund
ist der Verzicht der Unparteiischen auf eine fünfminütige
Verlängerung nach Ende der regulären Spielzeit. Die
Schiedsrichter entschieden auf ein direktes Penaltyschießen,
wie es in der Regionalliga üblich ist. Allerdings gelten für
die Oberliga - dazu gehört auch die Aufstiegsrunde mit dem
offiziellen Titel "Oberliga West Pokal" - andere
Durchführungsbestimmungen. In der dritten Liga erfolgt nach
Gleichstand in der regulären Spielzeit erst eine maximal
fünfminütige Verlängerung bis zum ersten Tor. "Was soll der
Protest bringen, will Herford extra für diese fünf Minuten
noch einmal nach Neuwied anreisen?", wundert sich
EHC-Trainer Bernd Arnold. Streng genommen dürften die Bären
im Falle einer solchen Ansetzung darauf pochen, rund
zweieinhalb Minuten dieser Verlängerung in Oberzahl zu bestreiten, schließlich bekam ein Herforder Akteur in der 58. Minute eine 5+Spieldau-zStrafe aufgebrummt.
Ausblick:
Am kommenden Wochenende steht für die Bären
lediglich das erste Endspiel um den Rheinland-Pfalz-Pokal
auf dem Programm. Der EHC Neuwied gastiert beim TSV Mainz um 18.15 Uhr. Da die Kölner Junghaie an diesem Tag spielfrei
sind. sollen einige Förderlizenz-Akteure des DELigisten die
Bären verstärken. Für reisewillige EHC-Fans bietet sich mit
der Bahn eine günstige Option an. Mittels
Rheinland-Pfalz-Ticket (29 Euro für fünf Personen) ist das
Mainzer Eisstadion direkt neben dem Bruchwegstadion zu Fuß
vom Bahnhof schnell erreichbar. Der zeitige Spielbeginn
garantiert die Rückfahrt nach Neuwied mit dem letzten
Regionalzug um 21.33 Uhr von Mainz Hauptbahnhof.
- DEL -
Blick aktuell -
Neuwied 04/2012