Saison 2011/2012 [1]: Rückblick auf das Wochenende [2]

Verfasst von : r.f. am 25.01.2012, 09:23 Uhr
blick aktuell [3]

EHC Neuwied

Bären behalten im Skandalspiel die Oberhand

Bären gewinnen 5:3 gegen Herne und verlieren drei Spieler durch große Strafen

Neuwied. Drei Punkte erkämpften sich die Bären am Wochenende gegen die Topfavoriten in der Aufstiegsrunde zur Oberliga. Einem 2:9 in Essen folgte ein 5:3 (2:1, 2:1. 1:1)-Erfolg gegen den Herner EV in einem Spiel, von dem die 800 Zuschauer noch Jahre sprechen werden. Skandalträchtige 240 Strafminuten verhängte Schiedsrichter Björn Frenzel -möglicherweise eine Rekordzahl, seitdem in Neuwied Eishockey gespielt wird.
Wie sehr die knapp dreistündige "Eishockey-Schlacht" (Mit diesen Worten leitete EHC-Vorstand Christian Klein die Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Herne ein) an den Nerven der Gäste zerrte. zeigte deren Abstinenz bei der Pressekonferenz. Sowohl Trainer Krystian Sikorski als auch der sportliche Leiter Ralf Cassebaum blieben dem Neuwieder VIP-Raum fern. Cassebaum hatte sich bereits wahrend des Spiels bei EHC-Pressesprecher Tom Neumann unbeliebt gemacht, weil er sich während des Spiels mit den Kameraleuten aus der Agentur von Neumann angelegt haben soll. Angelegt hatten sich auch die Akteure beider Mannschaften -vor allem im mittleren Abschnitt. Dort hagelte es in wenigen Minuten sechs Ausschlüsse, auf beiden Seiten gleich verteilt. Bei Neuwied erwischte es Slawomir Kiedewycz und Kai Kühlem mit einer Spieldauer-Disziplinarstrafe sowie Stephan Petry mit einer Matchstrafe. Bei den Gästen gab es ebenfalls zwei Spieldauer-Disziplinarstrafen und eine Matchstrafe gegen Kapitän Philipp Louven. Auslöser dieser Eskapaden war eine Massenschlägerei unmittelbar nach dem Neuwieder Tor zum 4:1 in der 32. Minute.
Sportlich boten die Bären bis zu diesem Zeitpunkt die beste Saisonleistung. "Wir wollten viel arbeiten und vor allem ohne die Scheibe und Herne die Räume eng machen", erklärte Neuwieds Trainer Bernd Arnold die Marschroute. Das klappte sehr gut, auch wenn die Bären mit dem frühen 0:1 nach Hernes erstem Torschuss einen Tiefschlag verdauen mussten. "Das kann zur Katastrophe führen. weil eine Mannschaft durch so etwas zusammenbrechen kann." Nicht aber die Bären. Die Gastgeber zwangen dem Favoriten ihr kampfbetontes Spiel auf, sodass die Westdeutschen ihre spielerische Überlegenheit nicht ausspielen konnten. Noch vor der Pause drehten Philipp Büermann und Jens Hergt das Spiel.
Zu Beginn des mittleren Abschnitts folgten mehrere Überzahlsituationen für die Neuwieder, die wiederum Büermann und Petry zum 4:1 nutzen. 31:05 Minuten waren gespielt und durch die Massenschlägerei summierte sich die Strafzeitenbilanz bei knapp über der Hälfte der Spielzeit auf 182 Minuten. Fortan wurde es friedlicher, auch wenn es weiterhin etliche merkwürdige Strafzeiten auf beiden Seiten hagelte. Spielfluss wollte nicht mehr aufkommen, was den Bären entgegenkamen. Das zwischenzeitliche Zittern der Deichstädter nach dem 4:2-Anschlusstreffer beseitige Büermann mit seinem sechsten Tor im dritten Auftritt für den EHC Neuwied.
Überschattet wurde das Spiel in der Endphase von einer schweren Verletzung nach einem Pucktreffer von Dominik Ballnus. Er wurde in eine Koblenzer Augenklinik eingeliefert. Der gegen Spielende an der Bande tanzende EHC-Trainer Arnold sorgte im VIP-Raum für tosenden Applaus, als er die Einstellung seiner Spieler lobte: ich bin stolz, dass ich diese Mannschaft trainieren darf."
Beim 2:9 (0:1. 1:5. 1:3) in Essen wurde für den stimmungsvollen Neuwieder Anhang, der gemeinsam mit den Moskitos-Fans feierte, deutlich, wie groß das Gefälle zwischen einem Regionalliga-Spitzenteam und einer Mannschaft aus dem unteren Mittelfeld der Oberliga ist. Es war noch nicht einmal die Deutlichkeit des Ergebnisses, sondern das Zweikampfverhalten in den Eins-gegen-Eins-Situationen, welches die Oualitätsunterschiede aufzeigte. Dabei hielten die Gäste 24 Minuten ordentlich mit, lagen nur 0:1 im Hintertreffen. Dann aber traf der haushohe Favorit im Minutentakt, sodass die Begegnung nach dem zweiten Drittel bereits entschieden war. Für die Bären trafen Büermann zum 1:6 sowie Petry zum zwischenzeitlichen 2:6. "Wir müssen aus dem Spiel unsere Lehren ziehen". sagte Trainer Arnold. "Wir müssen aber auch nicht in Essen gewinnen. um unser Ziel zu verwirklichen. unter die ersten Vier zu kommen."


Am Rande der Bande:

Der Herforder EV hat Protest gegen die 3:4-Niederlage nach Penaltyschießen in Neuwied vor Wochenfrist eingelegt. Grund ist der Verzicht der Unparteiischen auf eine fünfminütige Verlängerung nach Ende der regulären Spielzeit. Die Schiedsrichter entschieden auf ein direktes Penaltyschießen, wie es in der Regionalliga üblich ist. Allerdings gelten für die Oberliga - dazu gehört auch die Aufstiegsrunde mit dem offiziellen Titel "Oberliga West Pokal" - andere Durchführungsbestimmungen. In der dritten Liga erfolgt nach Gleichstand in der regulären Spielzeit erst eine maximal fünfminütige Verlängerung bis zum ersten Tor. "Was soll der Protest bringen, will Herford extra für diese fünf Minuten noch einmal nach Neuwied anreisen?", wundert sich EHC-Trainer Bernd Arnold. Streng genommen dürften die Bären im Falle einer solchen Ansetzung darauf pochen, rund zweieinhalb Minuten dieser Verlängerung in Oberzahl zu bestreiten, schließlich bekam ein Herforder Akteur in der 58. Minute eine 5+Spieldau-zStrafe aufgebrummt.


Ausblick:

Am kommenden Wochenende steht für die Bären lediglich das erste Endspiel um den Rheinland-Pfalz-Pokal auf dem Programm. Der EHC Neuwied gastiert beim TSV Mainz um 18.15 Uhr. Da die Kölner Junghaie an diesem Tag spielfrei sind. sollen einige Förderlizenz-Akteure des DELigisten die Bären verstärken. Für reisewillige EHC-Fans bietet sich mit der Bahn eine günstige Option an. Mittels Rheinland-Pfalz-Ticket (29 Euro für fünf Personen) ist das Mainzer Eisstadion direkt neben dem Bruchwegstadion zu Fuß vom Bahnhof schnell erreichbar. Der zeitige Spielbeginn garantiert die Rückfahrt nach Neuwied mit dem letzten Regionalzug um 21.33 Uhr von Mainz Hauptbahnhof.

- DEL -

Blick aktuell - Neuwied 04/2012

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